Als stark wachsender Ballungsraum im Steirischen Zentralraum ist die Landeshauptstadt Graz mit ihren Umlandgemeinden zunehmend auf mehreren funktionalen Ebenen miteinander verflochten, welche die Lebensräume und Alltagswege der Menschen in der Region maßgeblich beeinflussen. Die Stadtregion Graz ist somit verstärkt in einem wirtschaftlichen, sozialräumlichen und verkehrstechnischen Verbund zu betrachten.
Vor dem Hintergrund des stetigen Bevölkerungswachstums, aktueller Entwicklungen wie dem steigenden Bodenverbrauch und Anforderungen im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung wachsen auch die gemeinsamen Herausforderungen im stadtregionalen Kontext. Hinzu kommen zunehmende Pendlerverflechtungen und überregional bedeutsame Standortentwicklungen, wie etwa der Bau der Koralmbahn mit zentralen Auswirkungen auf den Wohn-, Bildungs- und Wirtschaftsraum Südösterreich.
Kurz: Es gibt viele gemeindeübergreifende Themen und Handlungsfelder:
Mobilität + Verkehrslösungen
Lebensraum + Qualitätsstandorte
Landschaft + Ressourcen
Tourismus + Naherholung/Freizeit
Dabei ist das Regionalmanagement Steirischer Zentralraum grundsätzlich die zentrale Schnittstelle für Regionalentwicklung für die Bezirk Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg mit einer gemeinsamen Bevölkerung per 01.01.2026 von 523.861 Einwohnern (Hauptwohnsitz)
41,2% aller Steirerinnen und Steierer leben in diesem Zentralraum!
Link Stadtregion 2040 – Regionalmanagement Steirischer Zentralraum
Den Vorsitz des Verbandes führt dabei die Bürgermeisterin/der Bürgermeister der Stadt Graz.
Bürgermeisterin Elke Kahr ist eine gute und sympathische Sozialpolitikerin. Ob sie die richtige Wahl als Bürgermeisterin war und weiterhin ist, werden am 28. Juni 2026 die Grazer entscheiden. Als Vorsitzende des Regionalmanagements Steirischer Zentralraum für die Bezirke Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg ist sie jedoch aus meiner Sicht eindeutig die Falsche. Aus zwei ganz einfachen Gründen: Sie ist an der Region und dem gemeinsamen Heben der Potenziale des gesamten Zentralraums viel zu wenig interessiert und steht Kooperationen über Gemeindegrenzen hinweg mehr als zurückhaltend gegenüber. Was man ihr zugutehalten muss: Sie sagt das zumindest, wie es durchwegs ihre Art ist, auch ehrlich so – egal ob öffentlich oder im letzten Jahr bei Terminen mit Bürgermeistern und Gemeindevertretern aus dem Umland. Für sie gehört das Umland eingemeindet.
Im Steirischen Zentralraum gibt es in den letzten Jahren nun zwei gegensätzliche Tendenzen – die Gemeinden außerhalb der Stadt Graz arbeiten immer stärker zusammen, denken über die Gemeindegrenzen hinaus und kooperieren bei immer mehr Projekten. Um Synergien für die Bevölkerung zu heben und der Lebensrealität gerecht zu werden – unser Alltag kennt keine Gemeindegrenzen.
Von Radverkehrskonzepten, über neue Regiobus Ausschreibung, Pläne für Ressourcenparks, Raumplanung und Mobilitätskonzepte. Es wird immer mehr zusammengearbeitet wo früher mal noch die gemeinsame Finanzierung der Hagelabwehr der größe Punkte war.
Die Stadt Graz geht in vielen Bereichen in den letzten Jahren einen gegenteiligen Weg, die aktuelle Stadtregierung ist fokussiert auf die Wähler und Themen im Grazer Stadtgebiet – der Horizont endet, wie man es früher oft den Umlandgemeinden vorgeworfen hat, häufig an der Grazer Ortstafel. Dass auch für Graz ein gemeinsamer Blickwinkel über die Stadtgrenzen häufig sinnvoll wäre, wird immer mehr ausgeblendet. Das, was Nagl zu viel an „Visionen“ für die Region hatte, gibt es jetzt eindeutig zu wenig.
Die Frage ist nun – wie geht es weiter? Realistisch wird die KPÖ mit Elke Kahr weiterhin entsprechend der Umfragen mit Abstand stärkste Kraft sein und so den Weg fortsetzen, also auf langfristige Fusionen statt Kooperationen und Zusammenarbeit setzen. Die Umlandgemeinden werden den erfolgreichen Weg der letzten Jahre mit mehr Kooperationen nicht nur fortsetzen, sondern intensivieren – aber wie bisher ohne die Stadt Graz.
Das Regionalmanagement Steirischer Zentralraum erscheint dann immer mehr ungeeignet, weil die Vorsitzende aus der Landeshauptstadt Graz hier den Weg vorgibt. Und der lautet Fusionsforderung statt Kooperation. Und jedem, der selbst in einem Verband aktiv ist, ist klar: Der Vorsitzende/die Vorsitzende gibt den Weg vor – wenn er/sie sich überhaupt nicht dafür interessiert, wird es schwer, etwas zu bewegen.
Es gibt natürlich Bereiche, die gut in der Region funktionieren, weil die Grazer Stadtpolitik nicht den Takt vorgibt. Dabei sticht sicher die Tourismusregion Erlebnisregion Graz hervor, die aus den Tourismusgemeinden der Bezirke Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg besteht. Hier steht Kooperation über die Gemeindegrenzen im Vordergrund – alle ziehen gemeinsam an einem Strang. Die Grazer Stadtpolitik hat genau einen Vertreter, wie alle anderen Gemeinden auch, und dazu gesellen sich die Vertreter aus der Wirtschaft und bilden die Tourismuskommission der Region.
Abseits des Tourismusverbandes und anderen ähnlich strukturierten Bereichen wird sich die Zusammenarbeit nun noch mehr auf die ehemaligen Kleinregionen im Süden wie „GU-Süd“ und GU6 verlagern. Im Norden von Graz-Umgebung hat man mit der neuen LEADER-Region Grazer Bergland eine gute Plattform, gemeinsam in der Region außerhalb der Stadtgrenzen auch ohne der Stadt Graz etwas zu bewegen.
Ich persönlich finde es zwar sehr, sehr schade, dass es nicht wie in der Schweiz oder Deutschland möglich ist, dass alle in einer Stadtregion erkennen, dass man über Kooperation und Zusammenarbeit viel mehr sein kann als nur die Summe der einzelnen Gemeinden und dass diese Zusammenarbeit eigentlich die letzten Jahre schon in vielen Bereichen gebraucht worden wäre und in Zukunft noch viel stärker gebraucht werden würde. Insbesondere wenn man an das Thema Verkehr denkt.
Aber man muss sich der politischen Realität stellen, und daher ist wohl für alle Gemeinden der Fokus auf Zusammenarbeit außerhalb von Graz in der jeweiligen Teilregion das sinnvollste. Das heißt, der Steirische Zentralraum wird sich bei der Zusammenarbeit noch mehr aufteilen auf GU-Nord (LEADER-Region Bergland), Voitsberg (Lipizzanerheimat) und den Süden des Bezirks Graz-Umgebung mit GU6, „GU-Süd“ sowie dem Hügelland im Osten.
Die große Ausnahme wird der Tourismusverband bleiben – wenn hier noch die Ortsklassenverordnung an die Tourismusreform angepasst wird, hat dieser eine große Zukunft, wenn die handelnden Personen weiterhin die gemeinsamen Ziele und Kooperation in den Vordergrund stellen und nicht von irgendwo ideologische Parteipolitik hineingetragen wird.
Neben dem Tourismus sind positiv sicher auch noch die Unternehmen die im Eigentum der Stadt Graz sind erwähnenwert, wobei das eher ein Thema der Zusammenarbeit für die Marktgemeinde Gössendorf ist, wo das Klärwerk der Stadt Graz von der Holding steht und es auch mit der Energie Graz GbmH in den unterschiedlichsten Bereichen eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit gibt
Wäre die Welt ein Wunschkonzert, wäre für mich die beste Lösung natürlich das Regionalmanagment Steirischen Zentral AUSZUBAUEN – was hätte die Region noch für Potential! Realpolitisch muss man aber nun leider einer effizienten Steuergeldverwendung wegen fordern es aufzulösen und mit den Mitteln sinnvolle Gemeindekooperationen und Projekte der Zusammenarbeit in den Teilregionen eben ohne Graz zu unterstüzen. Für die politische Forderung an das Land wird man natürlich die Wahl in Graz im Juni 2026 und die darauffolgende Regierungsbildung abwarten. Aber wenn sich nichts grundlegendes ändert, macht das Regionalmanagement Steirischer Zentralraum in der Art und Weise keinen Sinn (mehr).
Johannes Ulrich
seit Frühjahr 2025
-> 1. Vizebürgermeister der Marktgemeinde Gössendorf
-> Vorstandsmitglied im Abfallwirtschaftsverband Graz-Umgebung
-> Kommissionsmitglied der Tourismusverband Erlebnisregion Graz
Infos Regionen „GU-Süd“, GU6, Grazer Bergland, Voitsberg (Lippizanerheimat)
Die Wirtschafts- und Verkehrsgemeinschaft GU6, bestehend aus den Gemeinden Feldkirchen bei Graz, Kalsdorf bei Graz, Premstätten, Seiersberg-Pirka, Werndorf und Wundschuh, zählt in Bezug auf Bevölkerung und Wirtschaft zu den dynamischsten Regionen der Steiermark. Sie liegt im südwesten direkt an der Landeshauptstadt Graz und hat mit der Autobahn und Bahnverbindung sowie dem Flughafen wohl die besten Verkehrsanbindungen im Bundesland.
Bevölkerung GU6 01.01.2026: 40.923 Einwohner (vorläufige Zahlen laut Statistik Austria)
Finanzkraft pro Einwohner 2024: 2.110 € (Premstätten €2.685 – Feldkirchen € 1.758)
zum Vergleich Bezirk Murau Einwohner 26.663 – Finanzkraft pro EW 2024: 1.447
Die GU-Süd bestehend aus den sechs Gemeinden Fernitz-Mellach, Gössendorf, Hart bei Graz, Hausmannstätten, Raaba-Grambach und Vasoldsberg im südosten der Landeshauptstadt Graz.
Bevölkerung GU-Süd 01.01.2026: 28.612 Einwohner (vorläufige Zahlen laut Statistik Austria)
Finanzkraft pro Einwohner 2024: 2.060 € (Raaba-Grambach €3.862 – Vasoldsberg € 1.200)
zum Vergleich Bezirk Murau Einwohner 26.663 – Finanzkraft pro EW 2024: 1.447
Die Region GU-Süd ist was die Bevölkerung betrifft relativ homogen, Hausmannstätten hat als kleinste Gemeinde 3.780 Einwohner und Hart als größte Gemeinde 5.573. Die Finanzkraft ist aber so unterschiedlich wie sonst nirgendwo mit der reichsten Gemeinde der Steiermark Raaba-Grambach mit einer Finanzkraft von € 3.862 und Vasoldsberg mit € 1.200 als eine der finanzschwächsten Gemeinden im Bezirk.
Die Region GU6 ist dagegen bei der Finanzkraft viel homogoner – liegen doch alle Gemeinden an Autobahn und Bahn und haben damit eine ähnlich gute Ausgangslage. Dafür sind die Größenunterschiede extrem von Seiersberg-Pirka mit 12.264 Einwohnern bis zu Wundschuh mit 1.670.
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