Welche Stromtarife am günstigsten sind – Achtung bei Spot-Tarifen ohne Anpassung des Verbrauchsverhaltens

Beim Hausbau vor über 15 Jahren in Gössendorf haben wir uns für eine Wärmepumpe entschieden – wohl eine der besten finanziellen Entscheidungen damals. 2026 bezahlen wir für Strom pro kWh für die Wärmepumpe brutto inkl. Netz/Abgaben und Steuern 21,15 ct/kWh (Energie 7,75 ct/kWh netto). Das sind aktuell bei 4.000 kWh Strom pro Jahr für die Wärmepumpe € 846,05 für Heizung und Warmwasser. Wartungskosten hatten wir die 15 Jahre in Summe € 300 – Reparaturen gar keine. Am teuersten waren dabei seit 2011 die Jahre 2023 bis 2025 mit brutto 24 bis 26 ct/kWh inkl. Netz/Steuern. Vor 2021 gab es Jahre da haben wir teilweise keine 400 € pro Jahr für Heizung und Warmwasser für 4.000 kWh bezahlt.
Die durchschnittlichen Strom Mehrkosten für die Wärmepumpe (4.000 kWh für Warmwasser und Heizung) betrugen bei uns in den letzten 15 Jahren € 581 jährlich.

Um so günstig mit Wärmepumpen (auch in allen Krisen der letzten Jahre) zu heizen, musste und muss man aber einmal pro Jahr den Strompreis vergleichen. Daher eine kurze Anleitung bzw. Erklärung auf was machen achten sollte.

Überblick: Stromtarife & Preislogik (Stand: Jänner 2026, netto)

1. Tarifarten

Bestandskundentarif

  • Keine Preisgarantie, keine fixe Vereinbarung

  • Meist Mischpreis aus Großhandelspreisen der letzten 12 Monate

  • Typisch deutlich teurer als aktive Alternativen

Fixpreistarif

  • Vertrag mit fixer Preisbindung (meist 12 Monate oder länger)

  • Preis bleibt über die Laufzeit konstant – egal was am Strommarkt geschieht

Flex-Tarif

  • Variabler Preis mit monatlicher Anpassung

  • Basis: durchschnittliche Börseneinkaufspreise

  • Zusätzlich fällt eine Abwicklungsgebühr an

Spot-Tarif

  • Abrechnung pro Viertelstunde zum aktuellen Börsenpreis (meist EPEX)

  • Zusätzlich Abwicklungsaufschlag (z. B. 1,2 ct/kWh netto oder mehr)

  • Höchste Transparenz, aber auch höchste Volatilität


2. Wechselrabatte – der entscheidende Hebel

  • Fixpreis- und mittlerweile auch Flex-Tarife werden häufig mit massiven Wechselrabatten im ersten Jahr angeboten

  • Typisch: 6 Monate (= 50 %) stark vergünstigter Energiepreis

  • Dadurch zählen Fixpreis mit Rabatt und Flex-Tarif mit Rabatt aktuell zu den günstigsten Varianten

Praxis-Tipp:
Die günstigste Strategie ist oft:

  • Vertrag abschließen

  • Kalendereintrag 14 Tage vor Ablauf in einem Jahr setzen und wieder wechseln

  • Achtung wenn der Rabatt sich auf eine Mengenzonen bezieht, hier mehr Jahresverbrauch als zu wenig angeben, weil die Lieferanten den Rabatt von den kWh dann nur für die angegeben Menge vergeben – ich tendiere daher zu Rabatten ohne Mengenbezug (5/6/7 Monate oder 150/200 Tage)

3. Energiepreisvergleich (netto, Jänner 2026) mit E-CONTROL Tarifrechner

Tarif Energie Arbeitspreis pro kWh netto
Fixpreis mit Wechselrabatt für 2026 7,75 ct/kWh – Unsere Wasserkraft (15,5 minus 6 Monate gratis)
Fixpreis ohne Rabatt für 2026 9,2 ct/kWh – Grünwelt Energie
Spot-Tarif Ø 2025 (inkl. 1,2 ct Aufschlag)* 11,24 ct/kWh
Flex-Tarif Ø 2025* 11,91 ct/kWh (Energie Steiermark)
Bestandskundentarif 12–16,5 ct/kWh (aktueller Bereich je Lieferant)

Flex und Spottarife unterscheiden sich stark im Jahresverlauf – es wurde daher Durchschnittswert für 2025 als Vergleich verwendet. 2026 werden die Preise leicht darunter liegen – aber nicht erheblich – nach meiner Einschätzung ungefähr 1 ct/kWh tiefer als 2025.

👉 Fazit:
Die günstigsten Varianten sind derzeit Fixpreis mit Wechselrabatt.

4. Wichtige Einschränkung bei Flex-Tarifen

Flexible Tarife mit monatlicher Preisanpassung sind im Jahresdurchschnitt noch deutlich teurer, wenn:

  • der eigene Stromverbrauch winterlastiger ist als beim Durchschnittshaushalt

  • z. B. bei Wärmepumpe, Elektroheizung oder geringer PV-Eigennutzung im Winter

➡ In diesen Fällen ist vom Flex-Tarif eher abzuraten.

Beispiel Flextarif 2025 (E-Stmk, netto ct/kWh):

Jan 15,16
Feb 14,98
Mrz 12,94
Apr 9,76
Mai 8,30
Jun 8,30
Jul 9,59
Aug 9,83
Sep 10,66
Okt 11,91
Nov 13,98
Dez 14,24

Bei einem Wechsel im Mai oder Juni erscheint der Flex-Tarif eine günstige Alternative, durch die Wintermonate liegt der Jahresdurchschnittspreis insbesondere bei Haushalte die im Winter mehr verbrauchen deutlich über Fixpreisangeobten (auch ohne Rabatt).

Ein Flextarif mit monatlichen Preis kann sich grundsätzlich in zwei Situationen lohnen
-> der Energiepreis am Markt ist massiv im Sinkflug aber die Lieferanten geben es erst in einigen Monaten über Fixpreis-Tarife weiter, weil das Risiko aktuell noch zu große ist -> war im Jahr 2023 der Fall und da haben wir einen Flex-Tarif genutzt weil es 2023 noch keine günstigen Fixpreis Tarife gab
-> Man hat eine sehr sommerlastige Verbrauchskurve, d.h. verbraucht von April bis September deutlich mehr als 50% seines Jahresverbrauchs weil man z.B. mit Gas heizt und im Sommer viel für Pool,  Klimaanlage, Rasenroboter usw. verbraucht und keine eigene PV Anlage hat.

5. Spot-Tarif – Chancen und Grenzen

Grundsätzlich ähnlich wie Flex-Tarife, aber mit mehr Eigenverantwortung:

  • Wer Verbrauch gezielt steuert, kann günstige Stunden nutzen

  • Ohne Steuerung kann der Spot-Tarif sehr teuer werden

Warum Spot-Tarife für viele Haushalte nicht günstiger sind

  • Fixpreis-Angebot mit Rabatt: 7,75 ct/kWh netto

  • Spot-Tarif inkl. 1,2 ct Aufschlag müsste im Schnitt unter 6,55 ct/kWh Börsenpreis liegen um den Aufwand zu rechtfertigen

  • Dezember 2025: Börsenpreise lag zu jeder Stunde an jedem Tag darüber – zumeist deutlich!

  • Heizen erfolgt tendenziell genau in diesen teuren Monaten

➡ Für Haushalte mit Wärmepumpe + PV ist es aktuell nahezu unmöglich, mit Spot-Tarifen günstiger zu sein als mit guten Fixpreisangeboten.

6. Für wen sich ein Spot-Tarif lohnen kann

1️⃣ Haushalte mit E-Auto

  • Hohe Flexibilität beim Laden (mittags oder nachts) vorausgesetzt

  • Laden z.B. nur alle 2/3 Tage → gezielte Nutzung günstiger Stunden

  • Jänner 2026 zeigte bereits mehrere Stunden deutlich unter 6,55 ct/kWh

2️⃣ Enthusiasten mit großer Batterie

  • Aktive Steuerung des gesamten Haushalts

  • Nutzung günstiger Stunden (meist 10–15 Uhr und 2–4 Uhr)

  • In manchen Stunden sogar Null- oder Negativpreise

⚠ Aber:

  • Monate wie Dezember 2025 hatten keine einzige wirklich günstige Spot-Stunde

  • Laufende Beschäftigung notwendig (Preise für den Folgetag ab ca. 10 Uhr bekannt)

7. Wann ein Spot-Tarif richtig teuer wird

❌ E-Auto wird täglich nach der Arbeit gegen 18 Uhr geladen (teuerste Stunden)
❌ Wärmepumpe + PV ohne Anpassung des Verbrauchsverhaltens bzw. gezielter Uhrzeitsteuerung entsprechend täglicher Marktpreise
❌ Keine Batterie, keine zeitliche Flexibilität

➡ In diesen Fällen zahlt man systematisch häufig die teuersten Marktstunden.

8. Durchschnittliche Spotpreise 2025 nach Uhrzeit

netto inkl. 1,2 ct/kWh Abwicklungsgebühr  (Börsenpreis in Klammer)

0-1h: 11,02 (9,82)
1-2h: 10,72 (9,28)
2-3h: 10,47 (9,03)
3-4h: 10,30 (8,86)
4-5h: 10,49 (9,05)
5-6h: 11,26 (9,82)
6-7h: 12,78 (11,34)
7-8h: 13,80 (12,36)
8-9h: 13,00 (11,56)
9-10h: 11,00 (9,56)
10-11h: 9,23 (7,79)
11-12h: 8,16 (6,72)
12-13h: 7,35 (5,91)
13-14h: 7,06 (5,62)
14-15h: 7,66 (6,22)
15-16h: 9,20 (7,76)
16-17h: 11,02 (9,58)
17-18h: 13,04 (11,60)
18-19h: 14,77 (13,33)
19-20h: 15,99 (14,55)
20-21h: 15,32 (13,88)
21-22h: 13,84 (12,40)
22-23h: 12,75 (11,31)
23-24h: 11,55 (10,11)

➡ Um unter 7,75 ct/kWh zu kommen, reicht tägliches Verschieben aktuell nicht aus.
Man muss auch wochentagsübergreifend flexibel sein, indem man z.B. das Auto am Sonntag zu Mittag lädt wenn es am günstigsten ist und Montag und Dienstag dann bei Schlechtwetter nicht. Eine Batterie muss soviel Strom speichern, damit man auch im Winter mehr als einen Tag auskommt.

Gesamtfazit

Zum Vergleich immer nur den offiziellen e-control Tarifrechner verwenden!

  • Ohne E-Auto oder große Batterie:
    👉 Fixpreistarif mit Wechselrabatt ist klar die beste Wahl

  • Mit E-Auto oder Batterie:
    👉 Spot-Tarif kann günstiger sein wenn man sich sehr viel damit beschäftigen möchte, erfordert aber:

    • konsequente Steuerung

    • laufende Marktbeobachtung

  • Bestandskundentarife sind fast immer die teuerste Variante

Flexibler Tarife und Spottarife haben einen großen Vorteil, man profitiert sofort von Preissenkungen am Markt und muss nicht warten bis der Energieversorger den Preis senkt. Das war vor allem in der Übergangsphase von 2023 auf 2024 ein Vorteil. Umgekehrt bekommt man aber auch Preiserhöhungen sofort, Flex Tarife waren von August 2022 bis Jänner 2023 auf über 30 ct/kWh netto (!).

Wir haben kein E-Auto, aber eine Wärmepumpe und eine PV-Anlage (ohne Batterie diese rechnet sich noch nicht). Entsprechend auch einen Fixpreis mit 5 Monaten Rabatt im ersten Jahr für unter 8 ct/kWh netto Energiepreis abgeschlossen. Für 14 Tage vor dem Ablauf des Jahres beim Lieferanten habe ich einen Eintrag im Kalender gesetzt um dann wieder die Preise zu vergleichen und zu wechseln.
D.h. einmal im Jahr mit Strom (und Gas falls man hat beschäftigen) reicht vollkommen aus.

Energiegemeinschaft GU-Süd

Natürlich sei hier auch unsere Erneuerbare Energiegemeinschaft der GU-Süd Gemeinden Gössendorf, Fernitz-Mellach, Hausmannstätten, Vasoldsberg, Hart bei Graz und Raaba-Grambach erwähnt.

Über diese kann lokale zum fairen Preis für Einspeiser und Bezieher Strom getauscht werden. Das geschieht wenn Strom von den Teilnehmern der Energiegemeinschaft erzeugt und in der gleichen Viertelstunde verbraucht wird. D.h. man benötigt jeweils für den Rest noch einen Lieferanten – den kann man aber wie bisher frei wählen bzw. bleibt der aktuelle Vertrag davon unberührt.

Für Bezugskunden die Strom verbrauchen liegt der Preis nach den finanziellen Vorteilen insgesamt auf dem Niveau der günstigsten Fixpreise mit Wechselrabatt.

Bei Haushalte mit PV Anlagen und Überschusseinspeisung ist die Teilnahme an einer Energiegemeinschaft so oder so die mit Abstand finanziell beste Variante der Vergütung. In der Energiegemeinschaft GU-Süd wurde der Strom das ganze Jahr 2025 mit über 10 ct/kWh vergütet und im ersten Quartal 2026 liegen wir auch leicht darüber!