Quo vadis Stadtregion Graz und Steirischer Zentralraum – KPÖ setzt auf Fusionsforderung statt Kooperation

Als stark wachsender Ballungsraum im Steirischen Zentralraum ist die Landeshauptstadt Graz mit ihren Umlandgemeinden zunehmend auf mehreren funktionalen Ebenen miteinander verflochten, welche die Lebensräume und Alltagswege der Menschen in der Region maßgeblich beeinflussen. Die Stadtregion Graz ist somit verstärkt in einem wirtschaftlichen, sozialräumlichen und verkehrstechnischen Verbund zu betrachten.

Vor dem Hintergrund des stetigen Bevölkerungswachstums, aktueller Entwicklungen wie dem steigenden Bodenverbrauch und Anforderungen im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung wachsen auch die gemeinsamen Herausforderungen im stadtregionalen Kontext. Hinzu kommen zunehmende Pendlerverflechtungen und überregional bedeutsame Standortentwicklungen, wie etwa der Bau der Koralmbahn mit zentralen Auswirkungen auf den Wohn-, Bildungs- und Wirtschaftsraum Südösterreich.

Kurz: Es gibt viele gemeindeübergreifende Themen und Handlungsfelder:

Mobilität + Verkehrslösungen
Lebensraum + Qualitätsstandorte
Landschaft + Ressourcen
Tourismus + Naherholung/Freizeit

Dabei ist das Regionalmanagement Steirischer Zentralraum grundsätzlich die zentrale Schnittstelle für Regionalentwicklung für die Bezirk Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg mit einer gemeinsamen Bevölkerung per 01.01.2026 von 523.861 (Hauptwohnsitz).

Den Vorsitz des Verbandes führt dabei die Bürgermeisterin/der Bürgermeister der Stadt Graz.

Bürgermeisterin Elke Kahr ist eine gute und sympathische Sozialpolitikerin. Ob sie die richtige Wahl als Bürgermeisterin war und weiterhin ist, werden am 28. Juni 2026 die Grazer entscheiden. Als Vorsitzende des Regionalmanagements Steirischer Zentralraum für die Bezirke Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg ist sie jedoch aus meiner Sicht eindeutig die Falsche. Aus zwei ganz einfachen Gründen: Sie ist an der Region und dem gemeinsamen Heben der Potenziale des gesamten Zentralraums viel zu wenig interessiert und steht Kooperationen über Gemeindegrenzen hinweg mehr als zurückhaltend gegenüber. Was man ihr zugutehalten muss: Sie sagt das zumindest, wie es durchwegs ihre Art ist, auch ehrlich so – egal ob öffentlich oder im letzten Jahr bei Terminen mit Bürgermeistern und Gemeindevertretern aus dem Umland.

Im Steirischen Zentralraum gibt es in den letzten Jahren nun zwei gegensätzliche Tendenzen – die Gemeinden außerhalb der Stadt Graz arbeiten immer stärker zusammen, denken über die Gemeindegrenzen hinaus und kooperieren bei immer mehr Projekten. Um Synergien für die Bevölkerung zu heben und der Lebensrealität gerecht zu werden – unser Alltag kennt keine Gemeindegrenzen.

Die Stadt Graz geht in vielen Bereichen in den letzten Jahren einen gegenteiligen Weg, die aktuelle Stadtregierung ist fokussiert auf die Wähler und Themen im Grazer Stadtgebiet – der Horizont endet, wie man es früher oft den Umlandgemeinden vorgeworfen hat, häufig an der Grazer Ortstafel. Dass auch für Graz ein gemeinsamer Blickwinkel über die Stadtgrenzen häufig sinnvoll wäre, wird immer mehr ausgeblendet. Das, was Nagl zu viel an „Visionen“ für die Region hatte, gibt es jetzt eindeutig zu wenig.

Die Frage ist nun – wie geht es weiter? Realistisch wird die KPÖ mit Elke Kahr weiterhin entsprechend der Umfragen mit Abstand stärkste Kraft sein und so den Weg fortsetzen, also auf langfristige Fusionen statt Kooperationen und Zusammenarbeit setzen. Die Umlandgemeinden werden den erfolgreichen Weg der letzten Jahre mit mehr Kooperationen nicht nur fortsetzen, sondern intensivieren.

Das Regionalmanagement Steirischer Zentralraum erscheint dafür dann immer mehr ungeeignet, weil die Vorsitzende aus der Landeshauptstadt Graz hier den Weg vorgibt. Und der lautet Fusionsforderung statt Kooperation. Und jedem, der in einem Verband aktiv ist, ist klar: Der Vorsitzende gibt den Weg vor – wenn er sich überhaupt nicht dafür interessiert, wird es schwer, etwas zu bewegen.

Es gibt natürlich Bereiche, die gut in der Region funktionieren, weil die Grazer Stadtpolitik nicht den Takt vorgibt. Dabei sticht sicher die Tourismusregion Erlebnisregion Graz hervor, die aus den Tourismusgemeinden der Bezirke Graz, Graz-Umgebung und Voitsberg besteht. Hier steht Kooperation über die Gemeindegrenzen im Vordergrund – alle ziehen gemeinsam an einem Ziel. Die Grazer Stadtpolitik hat genau einen Vertreter, wie alle anderen Gemeinden auch, und dazu gesellen sich die Vertreter aus der Wirtschaft und bilden die Tourismuskommission der Region.

Abseits des Tourismusverbandes und anderen ähnlich strukturierten Bereichen wird sich die Zusammenarbeit noch mehr auf die ehemaligen Kleinregionen im Süden wie „GU-Süd“ und GU6 verlagern. Im Norden von Graz-Umgebung hat man mit der neuen LEADER-Region Grazer Bergland eine gute Plattform, gemeinsam in der Region außerhalb der Stadtgrenzen etwas zu bewegen.

Ich persönlich finde es zwar sehr schade, dass es nicht wie in der Schweiz oder Deutschland möglich ist, dass alle erkennen, dass man über Kooperation und Zusammenarbeit mehr sein kann als nur die Summe der einzelnen Gemeinden und dass diese Zusammenarbeit eigentlich die letzten Jahre schon in vielen Bereichen gebraucht worden wäre und in Zukunft noch viel stärker gebraucht werden wird.

Aber man muss sich der politischen Realität stellen, und daher ist wohl für alle Gemeinden der Fokus auf Zusammenarbeit außerhalb von Graz in der jeweiligen Teilregion das sinnvollste. Das heißt, der Steirische Zentralraum wird sich bei der Zusammenarbeit wieder aufteilen auf GU-Nord (LEADER-Region Bergland), Voitsberg (Lipizzanerheimat) und den Süden des Bezirks Graz-Umgebung mit GU6, „GU-Süd“ sowie dem Hügelland im Osten.

Die große Ausnahme wird der Tourismusverband bleiben – wenn hier noch die Ortsklassenverordnung an die Tourismusreform angepasst wird, hat dieser eine große Zukunft, wenn die handelnden Personen weiterhin die gemeinsamen Ziele und Kooperation in den Vordergrund stellen.

Wäre die Welt ein Wunschkonzert, wäre für mich die beste Lösung das Regionalmanagment Steirischen Zentral auszubauen – was hätte die Region noch für Potential! Realpolitisch muss man aber nun leider einer effizienten Steuergeldverwendung wegen fordern es aufzulösen und mit den Mitteln sinnvolle Gemeindekooperationen und Projekte der Zusammenarbeit in den Teilregionen zu unterstüzen. Für die Forerung wird man natürlich die Wahl in Graz im Juni und die darauffolgende Regierungsbildung abwarten. Aber wenn sich nichts grundlegendes ändert, macht das Regionalmanagement Steirischer Zentralraum keinen Sinn (mehr).

Johannes Ulrich
1. Vizebürgermeister der Marktgemeinde Gössendorf
Vorstandsmitglied im Abfallwirtschaftsverband Graz-Umgebung
Kommissionsmitglied der Tourismusverband Erlebnisregion Graz