Am 9. Februar 2026 hat die Statistik Austria die neuen Bevölkerungszahlen für den 01.01.2026 veröffentlicht. Dass Bruck-Mürzzuschlag – was die absoluten Zahlen betrifft – der am stärksten schrumpfende Bezirk Österreichs ist, war dabei ein mediales Thema.
Grundsätzlich schaue ich mir bei den Bevölkerungsbewegungen vor allem Graz-Umgebung und auch Graz an, aber aus gegebenem Anlass habe ich mir die letzten 20 Jahre, für die bereits alle Daten verfügbar sind (01.01.2005 bis 01.01.2025), im Detail für Bruck-Mürzzuschlag und Leoben angesehen.
In keinem anderen Bundesland sind die Unterschiede bei der Bevölkerungsentwicklung zwischen den Bezirken so groß wie in der Steiermark. Die Obersteiermark ist in den letzten 20 Jahren stark geschrumpft, während Graz und Graz-Umgebung stark gewachsen sind. Es gibt keine andere Region wie die östliche Obersteiermark in Österreich in ähnlicher Größe wo die Bevölkerung so massiv zurückgegangen ist und das trotz Zuzug aus dem Ausland. Dabei sind die Gründe für die Bevölkerungsveränderungen überall etwas unterschiedlich.
Bei Bruck-Mürzzuschlag könnte man meinen, dass mit einer Geburtenbilanz von -10.058 (Geburten minus Sterbefälle) und einem negativen Wanderungssaldo im Inland von 10.301 Abwanderung und Geburtenbilanz jeweils etwa zur Hälfte für den Rückgang verantwortlich sind.
Schaut man sich die Zahlen jedoch genauer an, erkennt man, dass 56 % des negativen Wanderungssaldos im Inland durch ausländische Staatsbürger verursacht wurden. Dabei handelte es sich vor allem um Asylwerber im Erstaufnahmezentrum und ähnliche Gruppen, die später primär nach Graz und Wien weitergezogen sind.
Anders in Leoben: Dort betrifft das negative Inlandssaldo insgesamt ausschließlich österreichische Staatsbürger. Die negative Geburtenbilanz ist dort noch stärker für den Bevölkerungsrückgang verantwortlich als in Bruck-Mürzzuschlag.
Und Murau – der prozentuell am stärksten schrumpfende Bezirk Österreichs: Dort ist tatsächlich die Abwanderung der Hauptgrund.
Zwei Gedanke dazu:
Ohne die starke Zuwanderung der letzten Jahre wären Bruck-Mürzzuschlag und Leoben nicht nur geschrumpft – sie wären massiv eingebrochen, was die Bevölkerungszahl betrifft. Das Durchschnittsalter ist in beiden Bezirken mittlerweile so hoch, dass eine Trendwende bei der Geburtenbilanz durch Maßnahmen schon lange nicht mehr möglich ist. Bei weiter steigendem Durchschnittsalter wird sich die Geburtenbilanz in den nächsten Jahren noch deutlich verschlechtern.
Ein Teufelskreis: Ohne Arbeitskräfte siedeln Firmen ab, ohne Firmen wandern die verbliebenen Arbeitskräfte ab.
Zu den stärksten Wachstumsbezirken: In Graz gibt es als mit Abstand jüngstem Bezirk auch die mit Abstand beste Geburtenbilanz. Rund 90 % des Bevölkerungszuwachses von Graz werden jedoch durch Zuwanderung ausländischer Staatsbürger – aus dem Ausland oder aus dem Inland – verursacht.
In Graz-Umgebung ist der Bevölkerungszuwachs ähnlich hoch. Hauptgrund ist dort jedoch die Zuwanderung aus anderen österreichischen Gemeinden, primär aus der Landeshauptstadt Graz. Und dann schon auch gefolgt durch Zuwanderung aus dem Ausland – wie in allen anderen Bezirken gibt es dabei aber große Unterschiede von einer Gemeinde zu anderen.
Die Zuwanderungen wird in Österreich die nächsten Jahre sicher deutlich unter den letzten zwei Jahrzehnten liegen. Das Durchschnittsalter in der Obersteiermark ist die letzten Jahre trotz Zuwanderungen stark gestiegen und wird es entsprechend die nächsten Jahre noch stärker tun.
Die Geburtenbilanz sinkt natürlich mit steigendem Durchschnittsalter – die Anzahl der Geburten bei Frauen 50+ sind überschaubar. Dadurch wird man dort auch mit Maßnahmen für die bestehende Bevölkerung keine Trendwende oder signifikante Abmilderung des Bevölkerungsrückganges mehr schaffen.
Entsprechend spricht alles dafür dass sich die Dynamik beim Bevölkerungsrückgang vor allem in Leoben und Bruck-Mürzzuschlag die nächsten 10 Jahre noch verstärkt und damit der Rückgang prozentuell höher ist als in den letzten 10 Jahren.
Die Geburtenbilanz sinkt natürlich mit steigendem Durchschnittsalter – die Anzahl der Geburten bei Frauen 50+ sind überschaubar. Dadurch wird man dort auch mit Maßnahmen für die bestehende Bevölkerung keine Trendwende oder signifikante Abmilderung des Bevölkerungsrückganges mehr schaffen.
Entsprechend spricht alles dafür dass sich die Dynamik beim Bevölkerungsrückgang vor allem in Leoben und Bruck-Mürzzuschlag die nächsten 10 Jahre noch verstärkt und damit der Rückgang prozentuell höher ist als in den letzten 10 Jahren.
Was kann man von Seiten des Landes Steiermark noch tun?
Man hat von Seiten Land Steiermark mit Bedarfszuweisungen eh unglaublich viel Geld in die Obersteiermark gepumpt (pro Einwohner viel mehr als in alle anderen Regionen). Allein z.B. nur in die Gemeinde Eisenerz 38,735 Mio. € in den 10 Jahren von 2015 bis 2024 laut Förderberichten des Landes nur BZ-Mittel! Eisenerz hat mit 01.01.2026 nun nur noch 3.280 Einwohner – in wenigen Jahren werden es unter 3.000 Einwohner sein. Einfach nur in jede Gemeinden noch mehr Geld pumpen und nach dem Gieskannensystem verteilen wird nichts ändern – außer dass man auf der anderen Seite in der Steiermark dort wo immer mehr Menschen leben weniger Geld zur Verfügung hat …
Bis zu einem gewissen Grad ist der Zug in manchen Regionen wohl schon abgefahren, entweder weil es zu spät ist oder Trends zu stark sind. Wenn man noch etwas machen möchte das meiner Meinung nach am ehesten funktionieren könnte wäre den Fokus total auf Gegenpole zu setzen und nicht auf Einzelgemeinden – zu Beginn mal einen Ort schaffen wo die Bevölkerung wächst. Über Gemeindefusion zu Städten wollte man politisch von Seiten Gemeinden bei Leoben – Bruck – Kapfenberg nicht, genauso wenig wie bei Voitsberg – Kapfenberg – Bärnbach.
In GU oder auch LB wachsen auch Gemeinden die sehr wenig Infrastruktur anzubieten haben und Graz ist auch nicht nur 10 Minuten entfernt und auch die Öffis sind dort teilweise nicht besser als in der Obersteiermark. D.h. es muss nicht in jeder Gemeinde alles geben.
Was es aber gibt ist Graz als Zentrum mit Arbeitsplätzen über Graz und Graz-Umgebung verteilt und Freizeitinfrastruktur 20-30 Minuten entfernt.
Was es aber gibt ist Graz als Zentrum mit Arbeitsplätzen über Graz und Graz-Umgebung verteilt und Freizeitinfrastruktur 20-30 Minuten entfernt.
Das als Ergänzung, weil zu einem Artikel in der Kleinen Zeitung Leser kommentiert haben, man muss nun hochwertige Öffis in jedes Tal der Obersteiermark bekommen um den Rückgang zu bekämpfen. Da behaupte ich das bringt genau nix und kostet relativ viel.
Quelle für die Zahlen: Statistik Austria
Differenzen zwischen der gesamten Bevölkerungsveränderung und der Summe aus Wanderungen und Geburtenbilanz ergeben sich durch statistische Abweichungen.
Bilder: KI




