Warum die Netzkosten und Energiekosten bei Strom in Österreich so hoch sind

Warum sind die Netzkosten in Österreich so stark gestiegen?

Die Netzkosten sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Das sorgt für Unmut, ist aber kein Zufall. Die Netzkosten werden jährlich von der E-Control für ganz Österreich für die unterschiedlichen Netzgebiete festgelegt. Kein Unternehmen kann die Netzpreise in seinem Gebiet selbst bestimmen.
Für die hohen Kosten gibt mehrere strukturelle Gründe, die gemeinsam diese Entwicklung erklären.

1. PV-Anlagen und Batterien: Kostenverschiebung statt Kostenreduktion

Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher senken für einzelne Haushalte den Strombezug aus dem Netz. Die Kosten des Netzbetreibers für diese Haushalte sinken dadurch aber kaum, denn Leitungen, Trafos, Wartung und Bereitschaft müssen weiterhin vorgehalten werden.

Die Folge:
Haushalte ohne PV-Anlage und Batterie zahlen anteilig mehr Netzkosten, weil das System derzeit solidarisch über die verbrauchten Kilowattstunden finanziert wird. Weniger Verbrauch bei gleichbleibenden Gesamtkosten führt zwangsläufig zu höheren Kosten pro kWh für alle anderen.

2. Dezentrale Stromerzeugung verursacht höhere Netzkosten

Große Erzeugungsanlagen (Wasserkraft, Windparks, große PV-Freiflächen) speisen auf hohen Netzebenen ein. Die Netzkosten pro erzeugter Kilowattstunde sind dort extrem niedrig, zusätzlich zahlen diese Anlagen auch Einspeiseentgelte.

Ganz anders sieht es bei kleinen PV-Anlagen im Haushalts- und Kleingewerbebereich (Netzebene 7) aus:

  • Einspeisung und Bezug erfolgen auf der teuersten Netzebene

  • Viele kleine Anlagen verursachen im Verhältnis sehr hohe Netzkosten

  • Diese Kosten werden aktuell von allen Netzkunden getragen

Je höher der Anteil solcher Anlagen in einer Region, desto stärker steigen dort die Netzkosten.

3. Smart Meter, neue Marktregeln und steigende Komplexität

Die verpflichtende Smart-Meter-Umstellung hat laut Rechnungshof in Österreich knapp 2,2 Milliarden Euro gekostet (Stand 2022). Das entspricht rund 500 Euro pro Haushalt, allein für die Umstellung bei den Netzbetreibern bis End 2022 (!).

Dazu kommen:

  • laufender Betrieb für Smart-Meter ist deutlich Höher (Viertelstundenwerte müssen immer vorhanden sein – Erreichbarkeit/Ersatzwertbildung usw.)
  • viele neue gesetzliche Regelungen und Aufgaben (z. B. Energiegemeinschaften) – sprich die Bürokratie für Netzbetreiber und Lieferanten hat sich vervielfacht
  • zusätzlicher Personalbedarf bei den Netzbetreibern

Diese Kosten schlagen sich direkt in den Netzentgelten nieder.

4. Inflation bei Material- und Lohnkosten

Auch Netzbetreiber sind von der allgemeinen Inflation betroffen:

  • teureres Material

  • höhere Lohnkosten

  • steigende Bau- und Instandhaltungskosten

Das ist kein Sonderfall, sondern betrifft die gesamte Branche.


Warum steigen die Netzkosten regional unterschiedlich stark?

Die Auswirkungen der Punkte 1 und 2 (kleine PV-Anlagen und Batterien) sind regional sehr unterschiedlich sichtbar.

Vergleich Steiermark vs. Graz

Netznutzungsentgelt Netzebene 7, nicht gemessene Leistung (netto):

Bereich Steiermark

  • 2021: 5,13 ct/kWh

  • 2025: 9,13 ct/kWh
    +78 % in vier Jahren

Bereich Graz

  • 2021: 3,87 ct/kWh

  • 2025: 5,40 ct/kWh
    +40 % in vier Jahren

Inflation, Smart Meter und neue Marktregeln betreffen Graz genauso wie die restliche Steiermark.
Ein mitentscheidender Unterschied:
Der Anteil von kleinen PV-Anlagen (Balkonkraftwerke fallen kaum ins Gewicht) und Batteriespeicher ist in Graz im Verhältnis zur Gesamtabnahme deutlich geringer als im ländlichen Raum.


Ab 2027: Rückkehr zum Verursacherprinzip

Ab 2027 sollen die Netzkosten in Österreich wieder stärker nach dem Verursacherprinzip verrechnet werden. Das aktuelle System basiert auf einer über 25 Jahre alten Regelung aus einer Zeit, in der es praktisch keine kleinen PV-Anlagen und Batteriespeicher gab.

Geplant ist die Einführung einer Leistungskomponente:

  • Zumindest ein Teil der Netzkosten richtet sich dann nach der höchsten Leistungsspitze im Monat

  • Für den Netzbetreiber ist es kostenmäßig egal, ob ein Haushalt einmal oder hundertmal im Monat 4 kW benötigt. Noch fairer wäre es wenn die höchste Leistung im Jahr zählen würde, aber das ist politisch wohl nicht mehrheitsfähig weil der Kostenvorteil durch PV + Batterie dann bei vielen Haushalten bei 0 € wäre. Fair wäre es, aber man hat die PV Anlagen + Batterie ja die letzten Jahre mit dem Versprechen auf niedrigere Netzkosten beworben … (zur Info wir haben auch eine PV-Anlage)

  • Die Netzkosten werden damit 2027 dadurch nicht niedriger, aber wieder etwas fairer verteilt


Warum sind die Energiekosten in Österreich weiterhin so hoch?

Der Hauptgrund liegt im europäischen Winterhalbjahr:

  • Es gibt europaweit zu wenig günstigen Strom

  • Österreich ist stark auf Importe angewiesen

Im Winter 2025/26 war Österreich eine der Länder mit am meisten Stromimporten aus dem Ausland pro Einwohner.
1860 GWh hat Österreich im Jänner 2026 importiert, 1697,6 GWh im Dezember 2025 und 1321,2 GWh im November 2025. Pro Einwohner liegen nur Luxemburg, Estland und Litauen bei den Importen von Strom pro Einwohner in diesen drei Monaten gesamt über Österreich!

Datenquelle: https://www.energy-charts.info/charts/import_export_map/chart.htm?l=de&c=AT&interval=month&month=01

Der Börsenpreis dominiert alles

Der Strompreis in Österreich hängt bis nur sehr begrenzt davon ab, wie viel wir selbst produzieren:

  • Österreich liegt zentral im europäischen Strommarkt

  • Die Preise gleichen sich stark mit den Nachbarländern an

  • Strom wird europaweit zum Marktpreis, nicht zu den Erzeugungskosten verkauft

Solange europaweit zu wenig Strom erzeugt wird und die Transportkapazitäten vorhanden sind, bleibt der Preis hoch – unabhängig von der heimischen Produktion.
Und natürlich solange sich Lieferanten primär bei ihren Preisen am Börsenpreis orientieren und nicht an den eigenen Erzeugungskosten (wenn sie als Lieferant selbst Strom erzeugen).

Mit 2026 gibt es hier aber scheinbar endlich ein zumindest teilweises Umdenken, ein großer Lieferant hat eine Preissenkung angekündigt obwohl die Börsenpreise aktuell nicht niedriger sind als die letzten zwei Jahre und andere ziehen nach.
Lieferanten die selbst Strom günstiger als an der Börse gehandelt erzeugen haben die Möglichkeit dazu.


PV im Winter: Kaum Wirkung auf den Strompreis

Österreich hat die letzten Jahre vor allem Photovoltaik ausgebaut. Das Problem:

  • Im Winterhalbjahr liefern PV-Anlagen sehr wenig Strom, diesen Winter sogar unglaublich wenig

  • Besonders von November bis Februar ist der Beitrag zur Gesamtstromerzeugung minimal

Gründe dafür:

  • hoher Breitengrad

  • häufige Bewölkung und Nebel (z. B. Grazer Becken, Linz)

  • deutlich schlechtere Wintererträge als in Südeuropa

In Spanien oder Griechenland liefern PV-Anlagen auch im Winter relevante Mengen – in Österreich kaum.
Die Einspeisung ins Netz in Österreich durch PV obwohl es durch den Ausbau die letzten Jahre mittlerweile eine installierte Leistung von über 11 GW gibt ist mit unter 2% mehr als überschaubar.

Datenquelle https://www.energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&c=AT&interval=month&month=01


Warum PV mittelfristig trotzdem sinnvoll ist

Es gibt drei gute Gründe für den PV-Ausbau:

  1. Stabilisierung im Sommer
    Bei wenig Wasser und Wind können Überschüsse gespeichert werden (Batterien, Pumpspeicher).

  2. Entlastung der Netze für Eigenverbraucher
    Vor allem für Betriebe zwischen 8 und 17 Uhr (z. B. Klimaanlagen).

  3. Langfristige Perspektive Wasserstoff
    Ab etwa 2030–2035 für die Umwandlung in größeren Mengen relevant.

Für die Lösung der Winterstromproblematik ist PV jedoch so überhaupt kein Gamechanger.


Wie könnten wir den Strompreis tatsächlich senken?

Derzeit importiert Österreich den meisten Strom aus:

  • Deutschland (vor allem wenn Windstrom vorhanden ist)

  • Tschechien (Kernkraft, Braunkohle, etwas Gas) wenn kein Windstrom aus DE vorhanden ist

Ein Teil dieses Stroms wird weiter nach Ungarn, Slowenien und Italien exportiert.

Jänner 2026 Netto Import/Export Österreich
Import aus Deutschland 1.813 GWh
Import aus Tschechien 1.172 GWh
Export nach Ungarn 589 GWh
Export nach Slowenien 544 GWh
geringe Nettoexporte nach Italien und in die Schweiz < 100 GWh

Windenergie könnte der Schlüssel für Österreich sein

Wind ist im Winter deutlich häufiger verfügbar als Sonne. Österreich hätte dabei einen großen Vorteil:

  • Laufkraftwerke können zurückgefahren werden

  • Pumpspeicherkraftwerke können günstigen Windstrom speichern

Deutschland hat diese Speicheroptionen kaum – Österreich schon.
Was fehlt, ist ausreichend eigener Windstrom in Österreich oder noch mehr aus Deutschland.

Nationale Lösungen reichen nicht aus wenn man weiter am Marktpreis orientiert

Ein rein österreichischer Ausbau von Windenergie würde den Strompreis kaum senken:

  • Der Preis wird länderübergreifend gebildet

  • Österreich allein kann den europäischen Markt nicht beeinflussen

Solange der Börsenpreis dominiert, ist es preislich sogar effizienter, wenn Deutschland massiv Wind ausbaut und Österreich diesen Strom importiert. Es sollte aber natürlich schon ein Ziel sein, dass wir nicht so massiv auf Importe angewiesen sind.


Warum Atomkraft für Österreich keine echte Option ist

Kernkraftwerke rechnen sich nur bei konstanter Jahresproduktion.
Österreich hat jedoch:

  • übers Jahr viel Wasserkraft

  • stark ausgebaute PV und im Osten auch Windenergie

Ein hypothetisches Kernkraftwerk hätte ein massives Problem:

  • Wohin mit dem Strom im Sommer?

  • Häufiges Hoch- und Runterfahren macht Atomstrom extrem teuer

  • Verkauf unter den Gestehungskosten im Sommer würde die Wirtschaftlichkeit im Winter zerstören

Spätestens seit dem Ausbau von PV und Wind ist Atomkraft für Österreich keine sinnvolle Option mehr.


Fazit

  • Die Netzkosten steigen vor allem wegen struktureller Fehlanreize, Dezentralisierung und neuer Anforderungen

  • Die Energiekosten bleiben hoch, weil Europa im Winter zu wenig Strom hat

  • PV ist sinnvoll, löst aber das Winterproblem nicht

  • Windenergie, Wasserkraft und Speicher sind entscheidend

  • Ohne Reform des europäischen Strommarktes wird der Preis hoch bleiben

Insgesamt sind für mich zu viele Entscheidung am am Energiemarkt leider ideologisch und eine Wette auf Entwicklungen in der Zukunft 2030+ oder 2035+.

Die Preise sind seit der zweiten Hälfte 2021 als die Gasexporte aus Russland massiv ein gutes halbes Jahr vor den Angriffskrieg auf die Ukraine gedrosselt wurden gestiegen. Ja, wir haben seit einiger Zeit wieder niedrigere Preis als vor dem Angriffskrieg, aber die Preissteigerungen sind jetzt seit Mitte 2021 über 4,5 Jahre her und da ist bis auf sehr, sehr teure Symptombekämpfung (Stromkostenzuschuss) unglaublich wenig passiert.
Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) wird bis auf die Haushaltskunden mit Sozialtarif nicht wirklich der kurzfristige Gamechanger sein, ist aber für die langfristige Zukunft ein wichtiges und notwendiges Regelwerk. Mit immer mehr Komplexität für alle, aber man hat sich politisch in Österreich für ein dezentraleres System entschieden, das bringt natürlich viel mehr Komplexität und Netzkosten.
Entscheidender für den aktuellen Energiepreis ist die neue Ausrichtung von einigen Lieferanten jetzt 2026 die Preise auch bei großen Anbietern auf unter 10 ct/kWh netto zu senken.